Covid Nachsorge

Ich habe per PN inzwischen häufiger Nachfragen dazu erhalten, wie eine Covid19 Nachsorge ausschauen könnte. Mit Sicherheit habe ich nicht die beste Therapie parat oder bin gar allwissend. Aber ich habe für meine Klient*innen mehrere, unterschiedliche Basisprogramme zusammengestellt.

Im Rahmen der Covid19 Nachsorge können mehrere Probleme auftreten und ich versuche diese im Folgenden einmal einzugrenzen. Kommen wir also zu einem der Hauptthemen:

Atmung oder Atemnot
In vielen Bereichen wird das sogenannte Atemprogramm, das in der Rehabilitation von Mukoviszidose verwendet wird, genutzt. Woraus besteht dieses?
– Lippenbremse (einatmen und die Luft gegen den Widerstand der Lippen langsam rauspressen)
– Schnüffelndes Einatmen (dreimal kräftig durch die Nase einatmen und dann langsam durch den Mund ausatmen)
– in aufgerichteter Position einatmen und in runder Rückenposition ausatmen.
– Kutschersitz (die Arme im Sitzen auf die Knie ablegen, durch die Nase einatmen und mit drei kräftigen Atemstößen durch den Mund ausatmen)
– Drehdehnlagerung mit Bauchatmung (auf eine Seite legen, den oben liegenden Arm zum Kopf legen, die obere Seite nach hinten drehen, die Hand des unten liegenden Armes auf den Bauch legen und versuchen, gedanklich an die Hand zu atmen)

– Huffing (hauchen, tief einatmen und in drei Zügen aushauchen; am Ende empfiehlt sich die dosierte Lippenbremse)
– Husten gegen einen Widerstand (Taschentuch dicht gegen den Mund halten und gegen diesen Widerstand husten; das Taschentuch bitte danach aus hygienischen Gründen entsorgen und beim nächsten Übungsdurchgang ein frisches nutzen) Auch, wenn die genannten Übungen lediglich eine Basisauswahl darstellen, sind es gängige und effektive Nachsorge-Übungen. Bezogen auf meine Bias kann ich die dosierte Lippenbremse am ehesten empfehlen.

Gedächtnisprobleme
Einige Betroffene leiden unter einem massiven Gedächtnisverlust. Hier eignen sich folgende APPs auf dem Mobiltelefon:
– Neuronation
– Lumosity

(Ich bekomme kein Geld für diese Empfehlung; diese APPs haben jedoch einen guten Ruf in diesem Sektor!)Neben diesen Übungen, die man am besten zu Hause machen kann, lasse ich in der Praxis gerne koordinative Übungen in Kombination mit lautem Aufsagen des Alphabets mit entsprechender Ordnungszahl durchführen: A1, B2, C3, D4, E5…. 



Fatigue
Ich habe das Thema „Fatigue“ vor Kurzem bewusst aufgegriffen und dank des sich anschließenden regen Austausches kam Etwas zum Tragen, das mich in der Therapie leider etwas stört. Nicht jede*r Fatigue-Klient*in ist chronisch. Bei Covid19 kann die Fatigue länger andauern und trotzdem ist sie deshalb nicht automatisch chronisch. Das heißt: wenn ich keine angepasste Steigerung durchführe, wird der/die Klient*in stagnieren oder erst recht abbauen. Ich weiß, dass das ein schmaler Grat ist. Hierbei hilft es, die Klienten zu fragen, wobei/wann bzw. in welchen Situationen sie schnell Ermüdung erfahren und die Übungen dementsprechend anzupassen, so dass der/die Klient*in diese selbstständig durchführen kann. Z. B. im Rahmen von Graded Activity – wenn der/die Klient*in fünf Treppenstufen steigen kann, dann lautete die entsprechende Übung: alle drei Stunden drei Treppenstufen gehen. 

Kreislaufbeschwerden Einige Klient*innen berichten von Kreislaufbeschwerden. Was sich -bezogen auf meine Bias- hier als effektive Therapie gezeigt hat, ist die klassische Kniebeuge; jede Stunde fünf Kniebeugen. Natürlich nicht in der Nacht…nur, falls die Frage aufkommen sollte…. 



Post-Covid-Kopfschmerz
Dieser ist physiotherapeutisch nicht wirklich behandelbar, da der/die Klient*in dort in keiner Weise einen längeren Effekt erzielen können. Die besten Ergebnisse scheinen diesbezüglich die Einnahme von Aspirin oder Blutverdünnern zu sein. Der Kopfschmerz an sich passt in seiner Beschreibung zu einem Bluthochdruckkopfschmerz, nur, dass der RR nicht erhöht ist. Also: Finger weg! 



Kommen wir zu den Stolpersteinen: – der Blutdruck ging bei allen Klient*innen sehr schnell in die Höhe, weswegen sich Puls- und Blutdruckkontrollen empfehlen, die den Klient*innen gezeigt werden sollten. – eine Zielgenerierung ist von Nöten. Kleine und gut zu überprüfende Ziele sind wichtig für die Motivation! – Graded Activity = eine angepasste Belastungssteigerung an den aktuellen Belastungszustand der Kienten. D.h.: normale Trainingsprinzipien im PRT System funktionieren nicht wirklich. Leider. – die Atemübungen sind der absolute Breaker in der Nachbehandlung und der/die Klient*in muss verstehen, dass diese immens wichtig sind, weswegen sie unbedingt mit der Therapie und/oder der Hausaufgabe kombiniert werden müssen. – es ist nicht auszuschließen, eine sekundäre, psychologische Hilfe hinzuzuziehen, da bei einigen Patient*innen eine massive Depression als Folge besteht. Es gibt wahrscheinlich noch intensivere Programme dazu. Dieser Post dient als allgemeiner Basisaufbau. Ich hoffe, einige können damit etwas anfangen. Denkt daran jede/jeder Klient*in ist individuell. Wir behandeln keine Krankheiten, sondern Menschen.

#streeckdichmalwieder #makethebackgreatagain ​